Das Portrait von Paula Thiede kehrt zurĂĽck

Paula Thiede wurde am 6. Januar 1870 als Tochter einer Arbeiterfamilie in Berlin geboren. Als Anlegerin in einer Berliner Buchdruckerei lernte sie Not und Elend der Hilfsarbeiterinnen kennen. Als im März 1890 der „Verein der Arbeiterinnen an Buch- und Steindruck-Schnellpressen“ – eine der ersten gewerkschaftlichen Frauenorganisationen – ins Leben trat, war sie mit dabei, ĂĽbernahm wenige Jahre später dessen Vorsitz. Sie zeigte sich als Vorsitzende versiert. Sie stabilisierte den Verband und baute ihn aus.
Als sie nach schwerer Krankheit am 3. März 1919 starb, schrieb das Verbandsorgan „Solidarität“: Der Verband „war ihre Schöpfung, und seine heutige Gestalt und seine Stärke war der Verstorbenen Lebenswerk!“ Und auf ihrem Grabdenkmal auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde steht noch heute zu lesen: „Ihrer FĂĽhrerin – Die graphischen Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands“. Das Bronze-Portrait wurde von Unbekannten in den 60iger Jahren geraubt und fehlte seither. Ich reproduzierte das Portrait eines bislang unbekannten Bildhauers nach einem vorhandenen Foto und ĂĽbertrug es auf eine Glasplatte. Diese montierte ich vor die leere Stelle im Stein. So bleibt der leere Raum hinter dem Glas sichtbar. Der Kunstraub wird zur Geschichte dieses Grabmals. Mit diesem Zitat kehren beide an ihren ursprĂĽnglichen Platz zurĂĽck: die verlorengegangene bildhauerische Arbeit und das Portrait von Paula Thiede.
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Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde
Auftrag von ver.di | gebaut 2007
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Fotos: Susanne Ahner

Fotos: Susanne Ahner